Kultur und Sprache gehören zusammen wie der rechte und der linke Schuh. In den Abrar-Unterrichten sind wir daher immer bemüht, Sie auch mit der Kultur der Sprecher vertraut zu machen. Es kann zu peinlichen Situationen führen, wenn man sich nicht im Klaren ist, warum das Gegenüber sich so „eigenartig“ verhält. Jedoch gehören viele Dinge, die für uns unbekannt und vielleicht sogar unhöflich sind, in anderen Ländern zum guten Benehmen. Seien Sie daher immer offen und sehen Sie nicht ihr eigenes Verständnis als alleinig richtig und bindend. Wussten Sie zum Beispiel…

 

… warum die Chinesen immer den Weg kennen?

… oder zumindest so tun, als würden sie: Wenn Sie in Shanghai einen Chinesen fragen, wie Sie zur U-Bahn-Station kommen, wird es Ihnen nicht passieren, dass er antwortet, er wisse es nicht. In der chinesischen Kultur ist es sehr wichtig, sein Gesicht zu wahren. Einem Fremden gegenüber seine Unwissenheit zuzugeben, gehört sich daher nicht. Es ist für den Chinesen viel höflicher, Sie in die falsche Richtung zu schicken, als zu sagen, Sie sollen jemand anderes fragen. Wer nicht weiß, wo die U-Bahn ist, versichert daher, es zu wissen und rät einfach.

Etwas Gutes hat die Sache: Selbst wenn sie in die entgegengesetzte Richtung laufen, stoßen Sie in Shanghai ja spätestens nach einigen Kilometern auf eine andere U-Bahn 😉

 

… warum Sie bei Arabern schnell zu einem schlechten Gastgeber werden?

Aber dies kann Ihnen nur passieren, wenn Sie folgendes nicht wissen: Sie bieten beispielshalber einem ägyptischen Gast einen Kuchen und etwas zu Trinken an. Er lehnt ab. Nach deutscher Manier gehen wir davon aus, dass er weder Kuchen möchte, noch durstig ist. Einige Zeit später kommt die Zeit zum Mittagessen. Sie selbst sind sehr hungrig und bieten dem Gast eine warme Mahlzeit an. Nachdem er wieder ablehnt, wundern Sie sich einfach und fragen nochmals nach. Der Gast versichert aber in der Tat, keinesfalls etwas zu mögen. Spätestens jetzt ist die Frage angebracht, ob er fastet. Die Muslime enthalten sich manchmal vom beginnenden Sonnenaufgang bis zum beginnenden Sonnenuntergang dem Essen und Trinken, nicht nur im Ramadan, sondern viele auch regelmäßig während des Jahres. Wenn der Gast fastet, sollte man sicherstellen, dass er, sobald die Sonne beginnt unterzugehen, etwas zu Essen erhält. Wenn der Gast aber nicht fastet, dann müssen wir uns weiterhin wundern oder dem hungrigen Gast endlich eine Mahlzeit auftragen; Denn in der arabischen Kultur ist es höflich, alles abzulehnen, um so Bescheidenheit auszudrücken. Dies bedeutet nicht, dass man nichts haben möchte. Der Gastgeber muss dem Gast das Essen nahezu „in die Hand drücken“, damit dieser sich sogleich liebend gerne darüber hermacht.

 

… “…nur nichts verkommen lassen!”

Dieses Sprichwort ist nicht die oberste Priorität bei chinesischen Gastgebern. Wenn Sie also so erzogen wurden, wird folgendes kulturelles Phänomen gewöhnungsbedürftig für Sie sein: Das Glas des Gastes muss immer bis oben hin voll sein. Sie sind bei einem Chinesen zu Gast? Dann werden Sie sich gegen einen Nachschlag mit Kräften wehren müssen. Denn wer seinen Teller leer isst oder sein Glas austrinkt, signalisiert dem Gastgeber, dass er mehr möchte. Es wird sofort nachgeschenkt: ohne Widerrede. Wer nicht schafft sich zu wehren, muss das halbe Glas oder den halben Teller stehen lassen, denn dies ist höflich und signalisiert dem Gastgeber, dass das Essen ausreichend war.

Verständlich ist diese Eigenart, wenn man sich die chinesische Geschichte anschaut, denn Hungersnöte und Katastrophen ließen die Nahrungsmittel oft knapp werden. Wer seinen Gast schätzt, lässt ihm alles zukommen, was im Hause ist.

 

Lesen Sie hier bald weitere interessante Anekdoten und Wissenswertes über fremde Kulturen.